Ist eine GPS-Laufuhr sinnvoll?

16. August 2018 | Sport | Ohne Kommentare

Habt ihr das auch schon erlebt? Läufer die dauernd auf ihre Uhr starren oder laut schimpfen, wenn die GPS-Ortung nicht richtig funktioniert? Solche und andere Vorfälle sind keine Seltenheit. Immer wieder erlebe ich bei Laufveranstaltungen oder wenn mir Läufer im Training begegnen, dass sie sich zur Geisel ihrer Uhr machen, anstatt sich auf den Lauf und das eigene Körpergefühl einzulassen.

Ich bin nicht generell gegen die GPS-Uhren. Sie können in einigen Situationen hilfreich sein. Zum Beispiel bei der gezielten Trainingssteuerung oder bei der Vermessung von Trainingsstrecken. Ich nutze sie zum Beispiel, wenn ich in einer fremden Gegend bin, um Strecken mit einer bestimmten Kilometerzahl zu entdecken. Doch gerade im Wettkampf ist meine Erfahrung, dass viele Sportler sich viel zu sehr von den Uhren ablenken und beeinflussen lassen. Bei Langstrecken, wie Marathon oder Halbmarathon, ist kein Kilometer wie der andere. Aus meiner Sicht macht es wenig Sinn, jeden einzelnen Kilometer zu beobachten. Das Streckenprofil kann sich ändern, die Temperaturen schwanken oder Wind kommt plötzlich auf, auch die Trinkpause wirkt sich auf das Lauftempo aus. Nicht zuletzt kann es auch schlicht an der Tagesverfassung liegen, dass man von seiner Zeit, auf die man lange im Training hingearbeitet hat, abweicht. Nach meiner Erfahrung ist es viel besser, sich an längeren Streckenabschnitten zu orientieren. Zum Beispiel die insgesamt gelaufene Zeit alle 5 oder 10 km abzulesen. Das nimmt den Druck. Denn bei den Sportlern, die sich streng Kilometer für Kilometer an ihrer Uhr orientieren, beobachte ich oft Stress, wenn sie feststellen, dass sie von ihrer geplanten Geschwindigkeit abweichen. Einige versuchen dann sofort ihr Tempo zu steigern, ohne auf ihren Körper zu achten. Auf den letzten Kilometern kann die Rechnung aufgehen. Doch früh im Wettkampf besteht die Gefahr, dass man sich durch ein zu hohes Zwischentempo verausgabt und seine Reserven verbraucht. Damit ist nicht nur die geplante Zielzeit vielleicht endgültig hinüber, es kann auch zu einem erheblichen Leistungseinbruch kommen, der am Ende zur Aufgabe oder einem sehr viel schlechteren Ergebnis führt, als ursprünglich geplant.

Wer eine bestimmte Zeit laufen möchte, kommt natürlich nicht ganz darum herum, die Zeit zu kontrollieren. Die Alternative zu einer GPS-Uhr ist eine ganz schlichte Uhr, die sich gut ablesen lässt. Damit habt ihr nicht ständig die Durchschnittsgeschwindigkeit, die Pace, vor Augen. Das ist viel entspannter. Guckt euch vor dem Wettkampf einfach die Zwischenzeiten an, die Ihr laufen wollt. Selbst für die ambitionierteren Breitensportler kommt es nicht auf jede Sekunde an. Ein schneller Blick auf die Minuten reicht völlig um zu sehen, ob man noch im Plan ist. Konzentriert euch lieber auf den Lauf und euren Körper. Entzieht euch dem permanenten Zeitstress und habt Spaß am Laufen. Schaut euch um, was die Strecke tolles zu bieten hat. Ihr werdet überrascht sein, wie gut eure Zeiten trotzdem sein können. Wem der Blick auf eine einfache Uhr zu ungenau ist, kann als Kompromiss zwischen einer schlichten Uhr und einer GPS-Uhr einen Chronographen wählen. Eine Uhr mit Stoppfunktion. Damit kann man Zwischenzeiten stoppen. Doch wählt auch hier längere Intervalle, sonst habt ihr am Ende den gleichen Stress, wie mit einer GPS-Uhr. Bei Trainingsläufen sehe ich es nicht anders. Sekunden zählen wirklich nur bei Sprintern, Kurzstrecken oder professionellen und semiprofessionellen Läufern.

Last but not least, Laufen soll Spaß machen, Laufen ist Lebensfreude, dabei die Zeit zu vergessen, abzuschalten und sich einfach nur wohl zu fühlen, das ist für mich das Wichtigste an der ganzen Lauferei. Es geht um Gesundheit und Stressabbau und nicht darum, sich in der Freizeit wieder neuem (Zeit-)Stress zu unterwerfen. Vielleicht lasst ihr ja nach diesem Artikel sogar die Uhr mal ganz weg, geht einfach nur laufen und genießt.

Alles Liebe und bleibt sportgesund!

Euer Apotheker Andreas Binninger

0 Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.