Bromelain das Ananasenzym

20. Februar 2017 | Expertentipp | Ohne Kommentare

Enzyme sind spezielle Eiweißverbindungen. Sie sind in der Natur weit verbreitet und mehr als drei Milliarden Jahre alt. Ohne Enzyme gäbe es kein Leben. Eine Vielzahl von chemischen Reaktionen die wir kennen, in der Natur oder Technik, läuft nicht ohne Hilfe von außen ab. Zum Beispiel durch die Zufuhr von Wärme oder Katalysatoren. Dabei handelt es sich allgemein um Stoffe, die an einer chemischen Reaktion teilnehmen ohne dabei selbst verändert zu werden. Sie begünstigen die Reaktion oder machen sie überhaupt erst möglich. Enzyme sind solche Katalysatoren. Weil man sie in lebenden Organsimen findet, wo sie biochemische Prozesse steuern, nennt man sie gerne auch Biokatalysatoren. Enzyme helfen zum Beispiel bei der Umwandlung von Zucker in Alkohol in Hefen, bei der Verdauung von Nahrungsmitteln, beim Auf-, Ab- und Umbau von Körperstrukturen oder bei der Energiegewinnung. Der Mensch bildet selber tausende von Enzymen und mit seinen Nahrungsmitteln nimmt er weitere zu sich. Bromelain ist ein Enzym, das wir in der Ananas finden. Es gehört zu den eiweißspaltenden Enzymen und hat deshalb eine verdauungsfördernde Wirkung, wenn es in proteinhaltigen Mahlzeiten enthalten ist. Nimmt man allerdings Ananas aus der Dose zum Quark, ist die Wirkung nicht mehr vorhanden. Wie alle Eiweiße, werden auch Enzyme durch Hitze verändert. Bromelain hat als Arzneimittel medizinische Bedeutung erlangt. Es wird u.a. bei Entzündungen, Sportverletzungen und nach Operationen eingesetzt. Damit ausreichend Bromelain im Körper ankommt, muss es in sogenannte magensaftresistente Tabletten verpackt werden, die sich erst im Dünndarm auflösen. Ansonsten wird das Enzym im Magen zusammen mit anderen Eiweißen verdaut. Die Wirkung des Bromelains beruht u.a. auf einer leichten Blutverdünnung, wodurch die Versorgung in einem verletzten Bereich verbessert und der Heilungsprozess gefördert wird. Aufgrund dieser Blutverdünnung kann es bei Menschen, die Blutverdünner aus der Gruppe der Vitamin-K-Antagonisten nehmen, zu Wechselwirkungen mit bromelainhaltigen Arzneimitteln kommen. Den gleichen verdauungsfördernden Effekt wie Bromelain, hat übrigens auch Papain, ein Enzym aus der Papaya.

 

Mein Tipp: Eiweißreiche Mahlzeiten werden leichter verdaut, wenn sie dazu frische Ananas oder Papaya essen. Wenn dieses Obst nicht zur Verfügung steht oder Sie es nicht mögen, können Sie auch zur Mahlzeit ein Nahrungsergänzungsmittel mit den Enzymen Bromelain oder Papain einnehmen. Aufgrund des Verdauungsprozesses im Magen ist zwar nicht damit zu rechnen, dass nennenswerte Mengen wirksamer Enzyme im Körper ankommen. Als Patient, der Blutverdünner einnimmt, sollten sie dennoch vorsichtig sein und große Mengen sicherheitshalber vermeiden. Lassen Sie sich am besten vom Apotheker Ihres Vertrauens beraten.

 

Herzlichst Ihr Apotheker Andreas Binninger

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